Boden [ver]leitet

© 2013 Linda Luv

Performance, Dauer 2:30h,
Gehstudie am Max-Bill Platz in Zürich, CH

 

„Ich ziehe die Schuhe aus und betrete den Platz. Barfuss mit roten Fussnägeln, passend zur Leggings. Kontrastreich hebe ich mich auf dem Platz hervor, die Hose glitzert in der Sonne und meine Bewegungen erscheinen klar und deutlich. Es ist ein sonniger Tag, die Steine fühlen sich warm an, besonders die schwarzen, und ich kann mit meiner Fusssohle die leicht raue Oberfläche erfühlen.“ (Auszug aus meinem Erfahrungsbericht)

Der Max Bill Platz ist ein junges Produkt Zürcher Städteplanung. Verortet in einer ‹modernen› architektonischen Umgebung die dem Geist der High-End Gesellschaft folgt, soll er in seiner Funktion dem Quartier eine «zwingende Identität» geben. Ein Ort, der bisher noch keine Geschichte hat, kein Schauplatz politischer Ereignisse, kein Ausdruck von Macht oder ein gesetztes Denkmal ist. In diesem Sinne ein Boden ohne Inhalt, ein Ort auf der Suche nach einer Nutzung. Der Max-Bill Platz ist gemacht, für die folgende Generation – doch welche Möglichkeiten bieten sich für eine Aneignung und Wahrnehmung des Ortes?

Der Platz hat eine dreieckige Form – bestehend aus verschieden grauen Bodenplatten formt sich ein abstraktes Schachbrettmuster. Wie ein Teppich, gesäumt mit einer Metallkante und leicht erhöht, legt er sich auf den städtischen Grund. Ein Teppich, der dazu einlädt, ihn zu betreten und aus seinen Strukturen heraus eigene Rhythmen von Bewegungen und Richtungen zu entwickeln. Diesen Anleitungen folgend, entwickelte ich eine Partitur für den Platz. Ich tanzte mich im Rhythmus des Bodens schneckenförmig 2,5 Std zum Mittelpunkt des Platzes. Die Grösse und die Spannung des Platzes, sein eigener Atem, wird durch meine Bewegungen spürbar.

 

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30. Oktober 2017